Der Tag, als ich lernte die Spinnen zu zähmen

Ich habe mich nach reiflicher Überlegung und Beratung mit Kollegen in den letzten Tage dazu entschieden, den Schülern NICHT die Entscheidung über die Lektüre im Unterricht zu überlassen,  sondern selbst ein Buch ausgewählt (s.Überschrift). Mehrere Dinge waren ausschlaggebend, einmal das umfangreiche Material, das es zu diesem Buch gibt und der Kommentar einer Freundin, die z.Z. ihr Referendariat in Freiburg macht, dass ich ruhig an mich denken und mich nicht überfordern soll, so ähnlich wie Silke es auch geschrieben hat (Danke für den Kommentar, by the way.)

Nun stelle ich gerade Überlegungen zu einer Unterrichtsstunde an, in der ich gerne mit dem Titelbild des Buches arbeiten würde. Die Stunde würde quasi noch mit zum Einstieg gehören, heute haben die Schüler schon die Aufgabe bekommen, eine Geschichte mit der Überschrift “Der Tag, als ich lernte die Spinnen zu zähmen” zu schreiben, aber sie haben noch keine Ahnung, worum es in dem Buch geht. Nähere Informationen soll ihnen also das Titelbild geben, das so aussieht:

spinnen-deckblatt1

Ich hatte die Idee, Fünfergruppen zu bilden und ein kurzes Drehbuch für diese Szene schreiben, evt. auch es anschließend vorspielen zu lassen. Ist das zu heftig, bzw. zu gefährlich für eine 5. Klasse, die ich noch nicht so gut kenne, in der aber nach Auskunft der Klassenlehrerin ein sehr gutes Klima herrscht? Könnten beim Erarbeiten solcher Szenen evt. Konflikte aufbrechen? Muss ich beim Zusammenstellen der Gruppen irgendetwas bedenken?

An solchen Stellen bemerkt man immer wieder, wie schwer Unterricht ist, da man nicht nur gute Ideen haben muss,  sondern auch mit einer guten Idee manchmal vor lauter Fragen nicht weiterkommt…

Entscheidungen von Schülern

Ich habe heute länger darüber nachgedacht, wie ich eigentlich dazu stehe, dass Schüler den Unterricht insofern selbst mitgestalten, als dass sie Themem selbst bestimmen können.

Einerseits sehe ich natürlich die Vorteile: persönliche Involviertheit, Interesse am Thema, das Gefühl von Verantwortung etc.

Aber was ist eigentlich mit meinem persönlichen Interesse?

Ein Beispiel: Ich möchte gern mit meiner 5. Klasse in Deutsch ein Jugendbuch lesen. Die Auswahl der Schule ist ohnehin begrenzt, und mir wurde aber geraten, doch erst einmal mit dem Vorlieb zu nehmen, was da ist. Nun stehen also drei Bücher in meiner engeren Auswahl: Die Vorstadtkrokodile (Max von der Grün), Der Tag, als ich lernte die Spinnen zu zähmen (Julia Richter) und Der Schatz auf Pagensand (Uwe Timm). Die beiden ersten Bücher haben auch so einen sozialen Anklang (Integration von Behinderten, Außenseitern etc.), das letzte ist ein Abenteuerbuch, das in Hamburg und an bzw. auf der Elbe spielt. Ich habe alle drei gelesen und habe an allen Spaß gehabt, allerdings spukt in meinem Hinterkopf der leise Wunsch, meinen (Othmarscher) Schülern auch mal soziale Themen zuzumuten.

Und noch ein weiterer Punkt spielt für mich eine große Rolle: Für “Der Tag, als ich lernte, die Spinnen zu zähmen” gibt es vom dtv-Verlag selbst eine 50seitige Datei mit Arbeitsblättern, zu “Der Schatz auf Pagensand” gibt es noch kaum didaktisches Material (außer ein paar Dinge, die mir eine Kollegin angeboten hat). Ich finde, das ist doch auch bedenkenswert.

Jetzt denke ich also darüber nach, wie ich weiter vorgehe. Soll ich meinen Schüler die Wahl des Buches selbst überlassen? Wenn ich das mache, bin ich mir ziemlich sicher, dass sie “Pagensand” wählen, da auch auf meine Frage, was sie privat gern lesen, häufig Abenteuer- und Detektivromane genannt wurden.

Aber sollen sie denn in der Schule das lesen, was sie auch zu Hause lesen würden, oder wäre Schule nicht vielleicht auch ein Ort, sich mit Themen zu befassen, die etwas schwieriger sind und deshalb auch gemeinsam besprochen werden können/müssen/sollten?

Vielleicht habt ihr ja dazu Ideen, Fragen, Kommentare, ich würde mich freuen.

Published in: on 2. Februar 2009 at 16:20  Kommentare (2)  
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