Bei den Vorbereitungen für meine 5. Klasse in Deutsch habe ich heute darüber nachgedacht, wie schwierig Differenzierung und Individualisierung sind, ganz besonders, wenn man 1. die Klasse nicht besonders gut kennt, 2. noch unerfahren darin ist, was 5.Klässler so können, 3. noch keine Erfahrungen mit Binnendifferenzierung überhaupt hat.
Ich möchte meinen Schülern so eine Art Arbeitsheft zum Buch gestalten, also einfach Arbeitsblätter zur selbstständigen Arbeit mit dem Buch.
Soll man also von vornherein unterschiedliche Aufgaben geben? Das erscheint mir einerseits sehr sinnvoll, andererseits aber auch sehr kompliziert und arbeitsintensiv. Gerade bei der Thematik, die ich jetzt mit der Klasse behandele (wir lesen ein Jugendbuch), erscheint es mir umso schwieriger, da es gewisse Dinge gibt, von denen ich einfach möchte, dass die Schüler sie bearbeiten.
Also habe ich daraufhin überlegt, die Differenzierung so zu gestalten, dass alle einen gewissen Grundstock von Aufgaben erledigen müssen, eben Aufgaben, von denen ich meine, dass sie wichtig sind (besonders zum Textverständnis). Darüber hinaus gibt es jetzt noch Aufgaben, die die Schüler darüber hinaus lösen können (aber nicht müssen), wenn sie eben noch Zeit haben. Aber auch bei diesem Vorgehen ergibt sich für mich ein Problem: Die Aufgaben, die ich jetzt zusätzlich zum Grundstock entworfen haben, sind wiederum Aufgaben, die die Schüler besonders gerne machen (auch die schwächeren), die aber oft relativ viel Zeit in Anspruch nehmen (z.B. Malen, Geschichten schreiben etc.). Es täte mir leid, wenn die schwächeren oder langsameren Schüler solche Aufgaben dann gar nicht machen könnten. Aber wenn ich diese Aufgaben in den Pflichtteil aufnehme, dann kommen sie wahrscheinlich nicht dazu, die m.E. wichtigen Aufgaben zum Text- und Leseverständnis zu bearbeiten.
Eine dritte Möglichkeit wäre es nun, alle Schüler die gleichen Aufgaben bearbeiten zu lassen, und den langsameren einfach mehr Zeit zu geben. In der Praxis würden dann diejenigen, die ein Arbeitsblatt fertig haben, gleich ein neues bekommen. Aber dann zieht sich der Leistungsstand der Klasse ja immer mehr auseinander und man könnte – gerade wenn es um den Inhalt eines Buches geht - bei so ungleichen Wissensständen kaum mal eine Stunde gemeinsame Arbeit machen (was ja aber nicht nur für Hospis bzw. Unterrichtsbesuchen [f. die Nicht-Hamburger] von Belang wäre…).
Angesichts all dieser Schwierigkeiten habe ich zwischendurch schon wieder darüber nachgedacht, ob man nicht lieber traditionellen Unterricht machen sollte, sprich: Aufgaben gemeinsam im fragend-entwickelnden Unterrichtsgespräch beantworten, aber irgendwie macht man sich ja solche Gedanken doch nie ernsthaft, weil die Nachteile auf der Hand liegen. Ich kann mir darüber hinaus im Unterricht immer kaum etwas Schöneres vorstellen, als wenn alle Kinder eifrig über ihre Zettel gebeugt zu zweit oder zu mehreren vor sich hin arbeiten… und das schreibe ich jetzt nicht nur, falls meine HS- oder FS-Leiterinnen irgendwann mal diesen Blog lesen könnten. Außerdem finde ich es auch für mich selbst viel angenehmer, wenn ich nicht die ganze Zeit rumhampeln muss.
So, das war mein Wort zum Sonntag, Eure Leonie