Hier ein kurzer Bericht über meine Kursfahrt nach Rom, die ich letzte Woche begleitet habe:
12 Lateinschüler und 2 Lateinlehrer – ein unerwarteterweise sehr entspannte Kombination. Aber zu meine Überraschung hatte ich es überwiegend mit 12 sehr interessierten Schülern zu tun, die die langen Fußmärsche, die Rom eben so mit sich bringt, klaglos mitgemacht haben und die auch für das ein oder andere antike Denkmal Interesse aufgebracht haben (wenn auch die Verkäufer der gefälschten Ray-Bans am Ende doch die Nase vorn hatten…). Aber immerhin. Mehr oder weniger fundierte Referate zu den verschiedensten Themen (zum Kolosseum: es wurden extra Straßen zum Kolosseum angelegt, damit die Autos, die die Steine gebracht haben, direkt ranfahren konnten; in der Nähe war ja auch ein Zoo, da konnten dann die Tiere für die Gladiatorenkämpfe direkt abgeholt werden), aber manche Schüler schienen richtig Emotionen zu den Sehenswürdigkeiten zu entwickeln (Der Saturntempel ist ja mein persönlicher Lieblingstempel!). Aber mal ernsthaft. Ich hatte mich ja an diese Fahrt mehr oder weniger drangehängt und daher meine eigenen Vorstellungen von so einer Studienfahrt überhaupt nicht mit eingebracht, weil es mir unangemessen schien, mich da jetzt gleich so dermaßen reinzudrängen. Und das Konzept zu verfolgen, das ich in meiner Examensarbeit ausgearbeitet hatte, heißt eigentlich automatisch, alle bisherigen Vorgehensweisen zu kritisieren. Gut, mein Konzept war für eine Oberstufe aufgerichtet, aber man hätte schon einiges machen können, meine ich. Andererseits finde ich es immernoch schwierig zu beurteilen, ob nicht meine Ideen völlig an der Realität vorbeigehen. Wahrscheinlich hätten meine Ansprüche die Schüler völlig überfordert, und die Art, mit der wir jetzt in Rom mit den SuS umgegangen bin, war die richtigere, entspanntere. Andererseits habe ich an so vielen Stellen gedacht, hier könnte man noch etwas zu sagen, hier und hier, aber wie viel werden sich die SuS von all den Kleinigkeiten schon merken können? Wahrscheinlich reicht es, wenn sie einen Eindruck von der Stadt bekommen, wenn sie Lust haben zurückzukommen und sich in etwa vorstellen können, was es bedeutet, wenn eine Stadt über 2000 Jahre lang eine der wichtigsten der Welt ist (ich weiß, ist geschichtlich jetzt fragwürdig). Es ist erstaunlich, dass ich sonst in meinem Unterricht eher den Anspruch habe, dass es ihnen Spaß macht, dass sie mit guten Erinnerungen nach Hause gehen, ob sie am Ende noch wissen, was ein ablabs ist, geschenkt, dass ich aber ausgerechnet in Rom damit nur schwer zurecht gekommen bin, dass wir über vieles nur so oberflächlich sprechen konnten, und ich und Tilmann am Ende immer nur das Nötigste erzählt haben.
Was will ich eigentlich von den Schülern? Das ist eine Frage, die ich für mich selbst immernoch nicht beantworten konnte. Ich möchte, dass sie Spaß haben, dass sie motiviert sind. Aber sie sollen natürlich auch etwas lernen, etwas in Erinnerung behalten. Ich finde es wahnsinnig schwierig, beiden in optimaler Weise zu verbinden, meistens kommt in meinen Unterrichtsstunden eine Komponente zu kurz. Das ist wahrscheinlich normal, aber ich habe das Gefühl, dass es bei mir besonders ausgeprägt ist, dass manche Stunde schön sind, Spaß machen, andere dafür sehr, sehr trocken sind, immer dann, wenn es um zentrale Punkte geht, die man eben nicht irgendwie kreativ bearbeiten kann.
Die beständige Gratwanderung zwischen Offenheit des Unterricht mit allem, was dazugehört (kreativer Umgang mit Literatur, selbstständiges Arbeiten etc.) und frontalen Phasen, in denen man sichern müsste, systematisieren und Dinge grundsätzlich klarstellen, das will ich demnächst mal hier im Blog ausführlicher behandeln, da es sich durch alle meine Unterrichtsstunden zieht, dass ich immer auf die zu offene Seite kippe und mir dadurch mein Unterricht zu unverbindlich vorkommt.
Aber dazu später mehr…