Ich habe heute in meinem Oberstufenkurs evaluiert und muss sagen, dass ich von den Ergebnissen doch eher positiv überrascht bin, wenngleich viele Dinge, die die Schüler wahrgenommen haben, auch meine Wahrnehmungen waren. Also immerhin das Feedback, dass meine eigene Wahrnehmung meiner Person und meines Unterrichts auch nicht so ganz falsch ist. Und meine Mentoren haben das ja im Zwischenstandsgespräch auch schon so gesagt, als sind offenbar alle auf einer Wellenlänge, ich, Mentoren, Schüler, das ist doch schon einmal etwas.
Was muss ich tun? Ich muss durchsetzungsfähiger werden bzw. sein. Das ist so der Punkt, den alle immer wieder anmerken, der sich wie ein roter Faden durch alle Auswertungsgespräche zieht. Und genau der, bei dem es mir am schwersten fällt, ihn zu ändern. Ich ruhe mich dann auch gerne auf der Annahme aus, dass das mit der Zeit schon besser werden wird, dass ich mich besser durchsetzen kann, wenn ich von meinem eigenen Unterricht überzeugter bin, als ich es oft bin, aber sicherlich sollte ich an der Stelle auch mehr an mir und meinem Unterricht arbeiten, sodass ich da einfach mehr Sicherheit bekomme. Und vielleicht wird ein abwechslungsreicherer Unterricht (eine Schüler haben bei der Evaluation angegeben, dass der Unterricht spannender sein könnte, was auch immer das heißt), Unruhe und Desinteresse sicherlich entgegenwirken, da muss ich also mal etwas dran ändern, auch wenn ich noch nicht ganz genau weiß, was. Dass ich nicht immer so eine mitreißende Person bin, weiß ich. Vielleicht ist da das ein oder andere Mal auch ein bisschen Schauspielerei von Nöten.
Ein zweiter Punkt: Individualisierung. Das ist auch so etwas, von dem ich weiß, dass es daran noch hapert. Ich bin so oft noch sehr auf mich selbst fixiert, auf meine Planung, auf die Inhalte, auf das, was ich den Schülern vermitteln will, dass ich darüber die einzelnen Schüler oft aus dem Blick verliere. Und das wirkt sich natürlich auf sehr vieles aus, einerseits empfinden einige Schüler den Unterricht sicherlich als nicht so spannend und motivierend, weil er ihnen weniger entspricht, da müsste ich sicherlich mal mehr auf individuelle Bedürfnisse eingehen. Und dafür müsste ich oft noch besser planen, denke ich. Auch wenn ich die Schwierigkeiten, die ich mit meiner Planung habe, ja auch schon im letzten Beitrag geschildert habe. Ich war so oft so unzufrieden mit meinem Unterricht und war daher positiv überrascht, dass der Großteil der Schüler meinen Unterricht als strukturiert und methodisch abwechslungsreich empfinden. Das hat mich ja schon gefreut, auch wenn ich es nicht immer nachvollziehen kann, aber vielleicht sind da die Ansprüche, die ich an mich selbst stelle, auch zu hoch?
Was den mangelnden Blick auf den einzelnen Schüler angeht, hat das natürlich auch Auswirkungen auf die Notengebung. Ich weiß, dass die Schüler mit den mündlichen Noten, die ich im April gegeben habe, unzufrieden waren, ich kann sie immernoch mit bestem Wissen und Gewissen geben, aber es kann natürlich gut sein, dass sich einige Schüler unverstanden fühlen. Und dass ich einen begrenzten Blick in diesem Bereich habe (vielleicht aufgrund der mangelnden Erfahrung auch einen begrenzteren als andere), gebe ich auch gerne zu.
Ich bin laut den Schülern geduldig, freundlich, gut gelaunt und nehme die Schüler ernst. Das freut mich, und daher schreibe ich es hier auch mal etwas angeberisch in meinen Blog hinein.
So vieles andere – Durchsetzungsfähigkeit, Abwechlsung, Lenkung/ Kontrolle und das Eingehen auf jeden einzelnen Schüler – werde ich im zweiten Teil des Refs in Angriff nehmen.
Zum Abschluss das Zitat eines Schüler, das ich mir sicherlich übers Bett hängen werde: “Sehr nette Lehrerin, den Schülern gegenüber gerecht, aber auch auf dem Fachgebiet sehr gut ausgebildet. Insgesamt perfekte Ausführung des idealen Unterrichts.” (MEHR DAVON!!!)