“Hilfe bei einer ökonomischen Langzeitplanung” steht in den Mentoren-Handreichungen, diesmal helfen mir meine Mentoren allerdings gerade nicht, sondern ich versuche, die Planung für meinen Oberstufenkurs für die nächsten Wochen bis zu den Ferien selbst in die Hand zu nehmen. Und ich muss sagen, es macht Spaß rumzuüberlegen, wie ich ihnen in den nächsten Wochen Woyzeck näherbringen will, was zuerst, was danach, wie man eine Einheit so aufbauen kann, dass sie noch Spannung hat, dass ein Thema in das andere übergeht und dass alle auf ihre Kosten kommen. Wobei ich gerade mal sagen muss, dass ja die Materialen, die man so bekommt und für die ich gestern relativ viel Geld ausgegeben habe, ja auch nur mit Wasser kochen. Muss man die guten Ideen eigentlich immer selbst haben? Und muss man Stunden damit verbringen, aus den kümmerlichen Ideen dieser Profis eigene, halbwegs ansehnliche Arbeitsblätter zu gestalten, damit man nicht diese herzlosen, in Arial-Schrift designten Arbeitsblätter benutzen muss. In jeder Hospi würde einem so ein liebloses Arbeitsblatt angekreidet. Aber wenn ich ehrlich bin, ich könnte das ja stundenlang machen, Arbeitsblätter entwerfen, da es sich wie Arbeit anfühlt, aber eigentlich keine ist, weil man sich die wirklich wichtigen Gedanken (warum mache ich das? was sollen die SuS am Ende können? welche Kompetenzen soll sie erwerben? welche Lernziele gibt es für die einzelne Stunde, ich weiß, Lernziele böse, aber trotzdem, man muss doch beide Seiten betrachten, natürlich ist es wichtig, darüber nachzudenken, was die SuS am Ende können sollen, aber für mich ist es momentan genauso wichtig, dass ich mir klarmache, was ich den SuS überhaupt beibringen möchte, was ich für wichtig halte und was nicht), naja, weil man sich diese Gedanken beim Formatieren von Arbeitsblättern und beim Bilder-Googlen halt nicht machen muss.
Was mich aber eigentlich, obwohl mir diese Langzeitplanung Spaß macht, nervt, ist die Tatsache, dass ich mir fast sicher bin, dass spätenstens in einigen Wochen wieder mal durch diverse Unterrichtsausfälle meine Planung so torpediert wird, wie das auch schon bei dem Faust-Thema der Fall war. Was wollte ich nicht noch alles machen? Und dann bin ich wieder zu den Maiferien nicht richtig fertig geworden, weil immer und immer wieder Stunden ausgefallen sind. Gut, ich finde, dass ich daraus, dass wir mit dem Faust noch nicht fertig sind, eine Tugend gemacht habe, indem ich jetzt erstmal auf Dramentheorie eingehe und den Faust vielleicht noch in die Klausur mit einbaue. Aber in den nächsten Monaten kommt noch hinzu, dass ich um eine Hospi herumplanen muss, und das lässt die ganze Sache schon wieder unter so einen Stress geraten. Wenn ich jetzt einfach vor mich hinpuzzeln könnte… egal, auch wenn ich mit Woyzeck nicht fertig würde, würde ich halt nächstes Semester weitermachen, wenn ich die Gruppe behalte, oder ich würde halt dem Kollegen sagen, das und das fehlt noch. Aber jetzt habe ich halt den Ehrgeiz, dass alles elegant über die Bühne zu bringen. Und jetzt muss ich eigentlich jede der einzelnen Sequenzen hospi-tauglich planen, weil sich die Planung wahrscheinlich wieder auf unbestimmte Zeit verschiebt… und dann werde ich wieder faul und denke, dass es vielleicht doch arbeitsökonomischer ist, nicht alles im Voraus zu planen, bzw. nur so ungefähr, damit nicht am Ende alles auseinanderfliegt. Und dann muss man ja auch immernoch schülernah bleiben und wenn ich merken würde, dass meine SuS mit der Planung so gar nicht klarkommen und gar nicht einverstanden sind, ok, dann muss ich sie ja auch wieder ändern, bzw. will ich sie ändern.
Heißt also ökonomische Langzeitplanung detailliert zu planen? Ist das ökonomisch? Sollte man nicht immer noch Spielräume in seiner Planung haben? Aber wie plant man ökonomisch mit Spielräumen? Ich finde das unglaublich schwierig, weil man sich immer zwischen zwei Polen hin- und herbewegt, einerseits sein Programm durchzuziehen (und es ist ja oft schon schwierig, allein das vernünftig zu planen…), andererseits auf die SuS einzugehen und seine Planung ihnen im Laufe des Unterrichts anzupassen. Im Grunde haben ja Carsten und Christian neulich im Lehrerzimmer genau über diese Schwierigkeit Witze gemacht, als Carsten entsetzt fragte, ob wir unseren Unterricht nicht schon bis zum Ende des Schuljahres geplant hätten, und Christian im vorwarf, er sei nicht schülerorientiert, weil er einfach sein Programm durchzieht. Aber das hilft mir ja auch nicht weiter. Wahrscheinlich ist das eine Sache, bei der man im Laufe der Zeit einfach mehr Coolness erreicht.
Ach mann, ist das eigentlich bei all diesen Lehrer-Dingen so? Das kommt mit der Zeit? Das habe ich jetzt schon so oft gehört. In jeder Hospi höre ich: seien Sie dominanter, lenken Sie mehr, aber das kommt mit der Zeit. Das kommt mit der Zeit. Das kann doch nicht die Antwort sein.
So, das war mein Beitrag zum Wochenende, ein kleiner Rundumschlag, bald mal wieder ein bisschen präziser.