Mich hat in den letzten Tagen zum ersten Mal der Hospi-Stress erwischt. Woran es liegt, kann ich nicht sagen, vielleicht daran, dass die Hospis jetzt in die zweite Runde gehen. Und alle sagen ja immer, dass man in der ersten Hospi noch mit Samthandschuhen angefasst wirst, damit man nicht demotiviert wird. Und jetzt? Jetzt kommt der Ernst des Lebens, bzw. des Referendariats. Und mir ging es zum ersten Mal so, dass ich mich meiner Unterrichtsplanung total unzufrieden war, sie zigmal umgeschmissen, wieder aufgestellt, neu überlegt, überarbeitet etc. habe, bis ich mich am Ende einfach für irgendeine Sache entscheiden musste. Und das Erstaunliche ist ja, dass ich mich eigentlich gar nicht zwischen einer guten oder einer schlechten Stunde entscheiden musste, gut und didaktisch begründbar sind sie, glaube ich, alle, sondern ich musste mich zwischen einer mutigen Stunde und einer Stunde entscheiden, bei der ich auf Nummer sicher gehe. Naja, jetzt am Ende habe ich mich für die Nummer-sicher-Stunde entschieden, restlos zufrieden bin ich mit meiner Wahl aber nicht. Irgendwie ist diese Stunde wie ein Pulli von Benetton. Klar, ein Klassiker und sitzt auch ganz gut, aber wohl fühlt man sich eigentlich den ganzen Tag nicht so richtig.
Eine runde Sache, aber nichts für die Lehrprobe, war der Kommentar meines Deutschmentors zu meiner Stunde. Ich glaube, dass er Recht hat, aber ich bin mir nicht sicher, ob mich das freuen oder ärgern soll. Vielleicht ist es ein Klagen auf hohem Niveau, klar, keiner erwartet, dass man jetzt schon die perfekten Stunden hinlegt. Oder doch?
Das Anstrengende an diesen Hospis ist ja, dass man immer unzufriedener mit seiner Stunde wird, je länger man darüber nachdenke, also, das geht mir zumindest so. Und irgendwann ist es die eigentliche Leistung, einfach eine Entscheidung zu treffen.